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Atemberaubende Seilbahnfahrt an der Rappbode-Staumauer

Elbingerode (Harz), den 05.08.2011

Die junge Firma „Harzdrenalin“ aus ‍Elbingerode plant eine spektakuläres Angebot an der Rappbode-Staumauer: Eine Art Seilbahn, an der Urlauber hängend in bis zu 100 Meter Höhe über dem Grund bis hinüber zur Talseite gelangen. Und das ist nicht das einzige Tourismusprojekt der Brüder Maik und Stefan Berke.    ‍
Elbingerode. Eine Strecke von einem Kilometer Länge werden die Passagiere überwinden, die die im Fachjargon als Seilrutsche bezeichnete Touristenattraktion nutzen: Keine 100 Sekunden soll die Fahrt in bis zu 100 Meter Höhe entlang der Staumauer der Rappbodestaumauer dauern. Obwohl dabei teilweise eine Spitzengeschwindigkeit von Tempo 70 erreicht werde, versprechen die Investoren, ihr Angebot sei familientauglich, nicht allein Abenteurern und Extremsportlern vorbehalten.   
Die Investoren, das sind die Brüder Maik (33 Jahre) und Stefan Berke (30). Im Juni haben sie ihre Firma „Harzdrenalin“ gegründet, deren Namen ganz bewusst mit den Worten Adrenalin und Harz spielt. Wobei dieses Stresshormon bei ihren Gästen eher ein wohliges Kribbeln erzeugen soll.    Viele Jahre waren die ‍Elbin‍‍ger‍öder Handwerker bundesweit auf Montage unterwegs. Speziell in Bayern und an den Küsten konnten sie beobachten, mit welchen Attraktionen um Touristen gebuhlt werde. Der Familie wegen wollten sie ihr Wanderdasein aufgeben und selbst mit neuen Ideen, mit spektakulären Angeboten ins Urlaubergeschäft einsteigen.   
Der Anfang ist gemacht: Ihr Fuhrpark an „Segways“ umfasst elf Fahrzeuge. Mit diesen einachsigen Elektro-Stehrollern bieten sie Stadtrundfahrten in Wernigerode und Touren bis hinauf zum Brocken an, informierten sie gestern im Volksstimme-Gespräch. Und ebenso, dass sie bereits mit acht Hotels der Stadt über eine Kooperation verhandelt haben.   
Noch in der Planungsphase ist hingegen ein 220000 Euro teures Projekt, das sie ebenfalls an einer Talsperre anbieten wollen: „Wallrunning“. Aufwändig gesichert und von Mitarbeitern betreut, sollen die Urlauber die Staumauer in Wendefurth hinablaufen können – vergleichbare Angebote soll es in Österreich geben.   
Zurück zur luftigen Seilbahn: Noch benötige dieses Projekt „Grünes Licht“ von einigen Ämtern, bis hin zur Baugenehmigung. Für eine längere Prüfungszeit haben die ‍Elbin‍‍ger‍öder dabei durchaus Verständnis, sei ihr Antrag „ganz gewiss etwas anderes als für eine Garage mit vier geraden Wänden plus Dach“. Ihre rund 400000 Euro teure „Doppelseilrutsche“ werde dabei so ausgelegt sein, dass zwei Personen nebeneinander die luftige Fahrt antreten und auf diese Weise 120 Höhenmeter überwinden können. Ebenfalls wie beim „Staumauerlauf“ aufwändig mit einer ans Bergsteigen erinnernden Sicherheitsausrüstung. Warum diese „Doppelseilrutsche“ entlang der Rappbodetalsperre, die sich rühmt, mit 106 Metern Deutschlands höchste Staumauer aufweisen zu können? Stefan Berke: „Kletterparks machen inzwischen viele, aber wir wollten diesen Superlativ!“ Damit, so ihre Hoffnung als Jungunternehmer, werden sie jene Harzurlauber locken, die jenseits von Wanderwegen und Fachwerkidylle auch einmal einen Nervenkitzel erleben wollen. Der Zwei-Mann-Betrieb rechnet ebenfalls damit, dass das Geld im Urlaubsportemonnaie lockerer sitzt als im Berufsalltag – das ist eine Voraussetzung für die Gründeridee, mit Segway-Fahrten, „Wallrunning“ und der Riesenrutsche demnächst insgesamt acht Arbeitsplätze zu schaffen.


Bild: Die Fotomontage der Firma „Harzdrenalin“ zeigt die Konstruktion für die Seilrutsche am Urania-Aussichtspunkt an der Rappbode-Staumauer und Detailansichten vom Start- und Zielbereich. Fotos: Tom Koch
Von Tom Koch, Volksstimme Wernigerode, 04.08.2011